Forschungsgruppe Kostenmanagement

Frühe und präzise Unterstützung der Entwicklung und Konstruktion in der Kostenabschätzung von Produkten und Dienstleistungen

Produkte und Dienstleistungen sind am Markt erfolgreich, wenn im Sinne des Target Costing der Kunde den Preis für das Produkt und/oder die Leistung akzeptiert und die damit verbundenen Funktionen und Dienste als wertig einschätzt. Unternehmen müssen dazu die Zielkosten ermitteln, im Projekt überwachen und einhalten. Dies erfordert eine frühzeitige Kostenabschätzung im Produktentstehungsprozess, welche durch präzise Kostenschätzwerkzeuge (z.B. Methoden, Formeln, Richtwerte) unterstützt wird. Dazu muss die zu Grunde liegende Datenbasis (d.h. Erfahrungswerte aus bisherigen Produkten und Leistungen oder auch Durchschnittswerte aus der gesamten Branche) zum einen umfangreich und zum anderen korrekt und vollständig dokumentiert sein.

Eine ungenügende oder fehlerhafte Datenbasis kann zu falschen Aussagen, Methoden sowie Rechenwerkzeugen und damit zu falschen Empfehlungen oder ungenauen Rechenergebnissen führen. Ist die Datenbasis früherer Projekte und Lieferantenangebote präzise, so wird auch die Kostenschätzung für das neue Produkt genauer.

Da sich die Datenbasis kontinuierlich verändert, ist es erforderlich diese ständig aktuell zu halten und bei Bedarf zu korrigieren und zu ergänzen. Andererseits sollten sich Unternehmen darüber bewusst sein, dass es grundsätzlich Ungenauigkeiten in den Kostenschätzungen gibt: Je früher im Entwicklungsprozess eine Kostenschätzung abgegeben werden soll, desto weniger genau sind die vorhandenen Informationen über das Konzept und damit das Ergebnis der Kostenschätzung. Erst im Laufe der Entwicklung präzisieren sich die Produktinformationen (Maße, Toleranzen, Stückzahl, Fertigungsverfahren, Lieferantenangebote etc.).

Neben dem Kostenschätzen und der kontinuierlichen Verfolgung der Kosten über die Projektlaufzeit ist auch das Kostenmanagement eines Unternehmens für eine langfristige Produktwerterhöhung für den Kunden entscheidend.

Am Lehrstuhl für Produktentwicklung werden in der Forschungsgruppe Kostenmanagement in Forschungsprojekten sowie in Industriekooperationen Methoden und Werkzeuge für ein verbessertes Kostenmanagement und genaueres Kostenschätzen erforscht, adaptiert und validiert.

Zielsetzungen

  • Erfordernisse der Industrie zum einfachen Schätzen von Kosten in frühen Entwicklungsphasen ermitteln
  • Neu- und Weiterentwicklung von Methoden und Ansätzen zur Verbesserung des Kostenmanagements
  • Praxisgerechte Softwarewerkzeuge (weiter-)entwickeln
  • Berücksichtigung der Belange speziell mechatronischer Produkte bei der Kostenrechnung
  • Abbildung der Einflüsse der Produktkomplexität auf Kostenniveau, Kostenstruktur und Kostenverlauf
  • Darstellung der Durchgängigkeit von Kostenschätzungen ab den Anforderungen bis hin zum fertigen Produkt, dazu Werkzeuge für die kontinuierliche Kostenverfolgung
  • Unterstützung der Kostenschätzung bei der Anwendung neuer Fertigungsverfahren und Materialien
  • Abschätzung von Kosten bei Änderungsprojekten noch vor oder während laufender Serie
  • Abschätzung von Kosten in direkten und indirekten Bereichen
  • Abschätzung von Kosten upgradinggerechter Produkte, unter Einbeziehung von Zinseffekten
  • Einbeziehung von Ansätzen des zielgerichteten Variantenmanagements, der Modularisierung und von Plattformstrategien
  • Zusammenführen der im Projekt bereits angefallenen IST-Kosten mit den noch offenen Plankosten
  • Entwicklung eines Ansatzes zur integrierten Wertanalyse und Kostenoptimierung auf verschiedenen Produktdomänen (Ansatz Integrated Value Engineering)
  • Anwendung von verschiedenen Pricingstrategien zur Identifikation von Zielpreisen für Neuentwicklungen

Entwickelte Tools

  • XKIS: Extendiertes Kosteninformationssystem
  • KosKA: KostenKontrollAssistent
  • CoCoS: Cost Consulting System
  • ive: Integriertes Value Engineering
  • Änderungskosten in indirekten Bereichen
  • Beurteilung langlebiger, upgradinggerechter Produkte mittels dynamischer Investitionskennzahlen sowie anhand von Kosten- und Erfolgskennzahlen
  • Tool für durchgängige Kostenverfolgung und Berichtswesen im Projektmanagement

Projekte

(abgeschlossen) Kostenanalyse und -optimierung mechatronischer Produkte mittels Bewertung und Gestaltung von Produktstrukturen

(abgeschlossen) Aufwandsarme Quantifizierung von indirekten Änderungskosten in der Antriebstechnik

(abgeschlossen) Methodische Entwicklung von Sensorikkonzepten

Abgeschlossene Projekte

Kurzkalkulation, Literaturrecherche/-studie
FVA-gefördertes Projekt

Kostenfrüherkennung mechatronischer Produkte mittels Analyse multiplanarer Vernetzungen
DFG-gefördertes Projekt

Produkterstellungsbegleitendes Kosteninformationssystem für die Antriebstechnik
FVA-gefördertes Projekt

ProMeKreis
Methoden zur Verbesserung der Kreislaufeignung von Einfach- und Komplexgeräten unter Berücksichtigung der Recyclingkosten und unter Einbeziehung innovativer Verwertungstechniken bei der Produktentwicklung. BMBF-gefördertes Projekt

Montagekosten
FVA-gefördertes Projekt

Wärmebehandlungskosten
FVA-gefördertes Projekt

Relativkosten Schweiß-/Gussgehäuse
FVA-gefördertes Projekt

Zahnradrelativkosten
FVA-gefördertes Projekt

Literatur

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Markus Mörtl
moertl@pe.mw.tum.de
Tel +49.89.289.15152