Forschungsgruppe Open Innovation

Ingenieurswissenschaftliche Betrachtung der Planung und Durchführung von Open Innovation-Projekten

Open Innovation (OI) beschreibt die bewusste Öffnung des Innovationsprozesses eines Unternehmens und zielgerichtete Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Unternehmensumfeld [1].  Zu diesem Umfeld zählen unter anderem Zulieferer, Kunden, Hochschulen und unter Umständen sogar Konkurrenten des Unternehmens. Basierend auf der Fließrichtung des Wissens lassen sich hierbei drei Formen der Open Innovation unterscheiden [2]:

  • Outside-in Innovation: externe Expertise und Wissen wird gezielt ins Unternehmen geholt, um den internen Innovationsprozess zu stärken, bspw. in Form von Technologien, Anforderungen oder Lösungsideen.
  • Inside-out Innovation: internes Wissen wird kontrolliert ins Unternehmensumfeld gegeben, wo es neue Innovationen ermöglicht. Hierbei kann es sich bspw. um die Auslizensierung von Technologien oder Patenten handeln, welche intern aus verschiedenen Gründen nicht genutzt werden.
  • Coupled Innovation: sie stellt eine Mischform der vorherigen Formen dar und findet sich häufig in Entwicklungskooperationen.

Wichtig hierbei ist die Gleichwertigkeit von internem und externem Wissen [1]. Weder besitzt ersteres prinzipiell einen höheren Wert noch soll letzteres ein Substitut für interne Entwicklungskompetenzen darstellen. Vielmehr bildet Open Innovation eine Erweiterung und Unterstützung des Innovationsprozesses.

Open Innovation an sich basiert auf verschiedenen Ansätzen der Kollaboration [3]. Der Mehrwert aus unserer Sicht besteht in dem Ordnungsrahmen, welchen Open Innovation aufspannt, um bestehende Kollaborationsansätze zu strukturieren und gezielt neue Ansätze und Methoden abzuleiten. Zudem zeichnet sich Open Innovation im Gegensatz zu „klassischen“ Ansätzen durch eine aktive, kreative Beteiligung externer Akteure, Interaktionen zwischen Akteuren sowie die gezielte Nutzung des Internets aus.

Die Öffnung des Innovationsprozesses ermöglicht verschiedene Vorteile, wie bspw. eine erhöhte Marktorientierung, eine erhöhte Kundeneinbindung zur gemeinsamen Erzeugung von Bedarfs- und Lösungsinformationen, verkürzte Entwicklungszeiten, die Integration externer Beiträge und Perspektiven in den internen Entwicklungsprozess sowie die Erschließung neuer Märkte, u.a. [3], [4].

Aufbauend auf Ergebnissen und Erfahrungen aus bereits abgeschlossenen Open Innovation-Projekten des Lehrstuhls für Produktentwicklung werden in aktuellen Forschungsprojekten verschiedene Aspekte der Open Innovation systematisch betrachtet. Der Fokus liegt hierbei auf einer maßgeblich ingenieurswissenschaftlichen Betrachtung unter Berücksichtigung einer späteren industriellen Anwendbarkeit und Verzahnung mit anderen Ansätzen und Methoden im Bereich der Produktentwicklung (bspw. Systems Engineering, Prozessmanagement, Wissensmanagement). Diese ganzheitliche Betrachtung ist essentiell für den nachhaltigen und langfristigen Erfolg von Open Innovation. Zudem wird erforscht, wie sich Open Innovation auch für technische Produkte im B2B-Bereich ohne direkten Endkundenkontakt anwenden lässt.

Literatur

[1] Chesbrough, H. W.:

Open innovation, The new imperative for creating and profiting from technology.
Boston, Mass.: Harvard Business School Press 2003.

[2] Gassmann, O.; Enkel, E.:

Towards a theory of open innovation: three core process archetypes.
In: R&D Management Conference, 2004. Citeseer p. 1-18.

[3] Enkel, E.:

Chancen und Risiken von Open Innovation.
In: Zerfaß, A. et al. (Eds.): Kommunikation als Erfolgsfaktor im Innovationsmanagement. Gabler 2009, p. 177-192.

[4] Braun, A.:

Open Innovation – Einführung in ein Forschungsparadigma.
In: Braun, A. et al. (Eds.): Open Innovation in Life Sciences. Gabler Verlag 2012, p. 3-24.

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